Sechs Plätze fürs Museum.
Ein Artikel aus dem Courier zur Erweiterung des Textilmuseums


Öffentliche Anhörung um künftigen Standort ergibt weitere Vorschläge


Die schon fast entschiedene Frage ist wieder völlig offen: Wo ist das künftige neue Textilmuseum der Stadt am besten angesiedelt? In der Innenstadt, um den historischen Bezug zur Tuchmacherstadt augenfällig zu machen? Oder doch besser auf der Wiese, wo es etwa Parkplatzprobleme nicht gäbe?

Ginge es nach dem Votum der zweiten Bürgeranhörung, wäre die Frage klar entschieden. Die große Mehrheit der rund 140 Besucher, die gestern Abend im "Kiek in" das Tauziehen um den richtigen Standort verfolgten, wünschen sich das Museum offenbar in die Innenstadt oder zumindest in City-Nähe. Das war bereits am Applaus ablesbar, den die Verfechter der Innenstadtlösung einheimsten.

Schlagkräftigstes Argument der City-Befürworter: Nur hier sei der historische Bezug zur Tuchmachertradition der Stadt herzustellen, am besten natürlich in einem historischen Fabrikgebäude selbst. Kein Wunder also, dass die Idee des Kieler Architekten Peter Klingemann, das Museum ins Sager-Viertel zu verlegen, großen Anklang fand. Zumal der Standort auf zwei weiteren Gebieten kräftig punkten kann: Das Sager-Viertel ist über Bahn und Bus direkt zu erreichen, und bis zur Innenstadt sind es zu Fuß nur Minuten. Beifall gab es auch für den überraschend vorgetragenen Plan, das Museum auf dem Juba- Gelände an der Wrangelstraße anzusiedeln. Ein entsprechender Entwurf für das Museum in der ehemaligen Tuchfabrik liegt bereits vor.

Der auch von der Stadt als eine mögliche Variante vorgestellte Vorschlag, das Museum als zweite Attraktion neben den Tierpark zu bauen, fiel in der Anhörung dagegen durch. Die Gegner argumentierten dabei mitunter auch aus dem Bauch heraus: "Glauben Sie es mir" beschwor beispielsweise Lothar Heinz, Chef der Niederdeutschen Bühne Neumünster, die Versammlung: "Was durch den Tierpark geht, geht nicht mehr durchs Museum."

; Jens Bartram vom Förderverein Textilmuseum griff das auf: "Das Textilmuseum verdiene ein eigenes Profil. Das Museum als Ergänzung des Tierparks könne nichts werden. Heinz wie Bartram plädierten für den Standort an der Klosterstraße. Die drei neuen Vorschläge hatten die Vertreter der Stadt - sowohl aus Politik als auch aus Verwaltung - noch nicht auf der Rechnung gehabt, als sie ihre eigenen Vorstellungen erläuterten. Die Stadträte Günter Humpe- Waßmuth und Hansheinrich Arend hatten die Entwürfe für Bauten am Tierpark und an der Klosterstraße vorgelegt. Drei Konzepte waren im Auftrag des Fördervereins Textilmuseum erstellt worden - einen weiteren hatte der Fachdienst Hochbau beigesteuert. Die Verwaltung hatte drei Standorte im Auftrag der Ratsversammlung untersucht.

Aber nur Klosterstraße und Tierpark waren aus Sicht der Prüfer umsetzbar. Arend betonte, dass die Fläche am Güterbahnhof zwar verkehrsgünstig gelegen sei; dennoch bleibe es ein Gelände mit Altlasten. Und die Kosten für eine Sanierung seien unkalkulierbar. Darüber hinaus gebe es gar keine Signale, dass die Bahn das Gebiet veräußern wolle.